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Dienstag, 11 Dezember 2018 00:00

Auch wenn es laut ist

Das elfte Türchen...

Autoreifen quietschen, jemand hupt. Trotz des Nieselregens hat der Fahrer das Fenster offen, so dass ich seine Flüche, mit denen er den Twingo vor sich überschüttet, bis hierher hören kann. Weihnachten rückt näher und von Besinnlichkeit ist so wenig zu sehen wie vom Schnee.

Ich laufe geduckt weiter. Es ist dunkel, doch die Lichter der Stadt flackern. Manche grell und aufdringlich, andere als würden sie verzweifelt versuchen gegen die grausame Hektik anzuleuchten: "Ein bisschen Ruhe, ein bisschen Stetigkeit, seht doch her." Vergeblich. Irgendwie machen diese Lichter alles noch schlimmer. Ich fühle mich seltsam zugehörig zu diesem Spiel aus Lärm, Geschwindigkeit und Isolation. Ein Puzzlestück der Moderne, in der ich lebe.

Jedem Menschen, dem ich ausweiche, mit dem ich Blickkontakt vermeide, hat seine eigene Geschichte. Seine Hoffnungen, seine Lasten. Beides wird in der Weihnachtszeit nach oben gespült, getragen von der undefinierbaren Sehnsucht nach Heimat. Nach Zugehörigkeit und Akzeptanz.

Ich spüre das auch in mir, formuliere ein lautloses Gebet aus bruchstückhaften Gedanken, die in meinem Kopf leiser sind als der eben vorbeifahrende Bus. Ich komme gegen diesen Lärm nicht an und frage mich, ob Gott mich hören kann.

Aber was wäre, wenn er zwar mich hören kann, nur ich ihn nicht? Wenn er genauso übertönt wird, wie meine eigenen Gedanken? Wenn er einfach nicht zu mir durchdringt, obwohl es etwas wichtiges ist?

Vielleicht würde er mir dann eine Karte schreiben.

Hier geht's zum pdf-Download.

Die Karten sind kostenlos und dürfen für private Zwecke frei vervielfältigt werden. Ein kommerzieller Weiterverkauf ist nicht gestattet.

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