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Montag, 23 September 2019 17:11

(un)beherrscht

Esther 1,10 - 2,1 (hier geht's zum Bibeltext)

Der Diener beobachtete alles durch halb geschlossene Augen. Von außen wirkte er abwesend. Aber er war hellwach, ständig darauf bedacht leere Becher aufzufüllen und den Gästen die unausgesprochenen Wünsche von den Augen abzulesen.
Xerxes feierte ausgelassen. Er war gut dabei, was den Alkohol anging. Seine Obersten der Burg Susa ebenfalls. Dennoch versuchte keiner der Gäste zu ausgelassen zu sein. Das würde der Diener auch niemandem empfehlen. Xerxes, der mächtigste Mann der Welt, ist leicht reizbar. Böse Zungen behaupteten, dass Xerxes alles und jeden in seinem riesigen Reich beherrschen könne - nur nicht sich selbst.

Gleich sollte Königin Waschti kommen. In ihren königlichen Kleidern mit der königlichen Krone. Ihre Schönheit war legendär. Und da Xerxes selbst sie hierher bestellt hatte, würde man sie auch betrachten dürfen. Das war zwar auch ansonsten nicht direkt verboten, aber ungewöhnlich. Die Frauen blieben normalerweise unter sich. Vor allem die Frau des Königs zeigte sich üblicherweise keinen fremden Männern.
Irgendwie war der Diener froh, dass er mit seinem niedrigen gesellschaftlichen Stand ohnehin aus der Sache raus war. Egal wie unverfänglich dieses Schauspiel nun werden würde. Ein falscher Blick und Xerxes würde ausrasten, das hatte er mehr als einmal bewiesen.

...

Eine halbe Stunde später, war das Fest vorbei. Xerxes tobte. Die Gäste zogen die Köpfe ein, murmeln Entschuldigungen und verließen fast fluchtartig die Räumlichkeiten. Xerxes blieb mit seinen Beratern zurück, bis auf die Knochen blamiert.

Eine Frau, SEINE Frau, hatte ihn abgewiesen, bloßgestellt. Sie hatte seinen Befehl verweigert.
Xerxes war gedemütigt und das vertrug er nicht gut.


Niemand weiß, was in Waschti in jener Nacht vorging. Ob sie einfach zu nüchtern für ihren betrunken König war und sich nicht vor die (wohl ebenfalls betrunkenen) Angestellten ihres Mannes zerren lassen wollte. Vielleicht brach sich auch einfach nur ihre Eitelkeit Bahn und ließ sie mutiger werden, als sie hätte sein sollen. Egal was es war, es besiegelt ihr Schicksal. Es wird ein unumstößlicher Erlass gegen sie verhängt. Sie darf nie wieder vor dem König erscheinen. Und für alle anderen Frauen des Großreiches gilt ebenfalls: lege dich nicht mit deinem Mann an. Ordne dich unter. Sprich zu Hause seine Sprache und nur die.

Als sich der Zorn von Xerxes legt (Geschichtsschreibern nach zu urteilen, soll das nach vier Jahren gewesen sein) beginnt sich der König nach Waschti zu sehnen. Zwar hat er einen Harem voll Konkubinen, aber Sex und Liebe sind eben nicht das gleiche. Die Suche nach einer neuen Königin beginnt und mit ihr das Casting.

Zum Nachdenken

Die zwei folgenden Gedanken kamen mir, während des Lesens und Nachdenkes über den Text.

  • Xerxes war ein mächtiger Herrscher, aber bzgl. seines eigenen Charakters und seines Verhaltens hatte er riesige Schwächen. Leider ist das auch heute noch bei vielen Amtsträgern so. Gott sagt uns immer wieder, dass wir zuerst uns selbst beherrschen sollen. Unser Reden, unseren Umgang mit Alkohol, unser Verhalten unseren Eltern/Partner/Kindern gegenüber. Sich selbst zu beherrschen ist wohl die wahre Königsdisziplin.
  • Was ging in Waschti vor? Hat sie ihr Verhalten bereut? Oder war es eine bewusste Entscheidung, die sie trotz der drohenden Konsequenzen getroffen hat? Manchmal müssen wir (negative) Konsequenzen für unser Verhalten tragen. Deswegen sollte unser Verhalten unsere Überzeugungen widerspiegeln. Wenn schon Konsequenzen, dann wenigstens wissen wofür.

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